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Harmonie - nicht das höchste Gut?!

Harmonie scheint bei vielen Menschen das höchste Gut zu sein. Harmonie um jeden Preis in Beziehungen und Gruppen wird angestrebt. Anpassung zum einen und Unterdrückung zum anderen sind Mechanismen, um diese Harmonie aufrechtzuerhalten. Konflikte sind per se schlecht und konstruktive Konfliktlösungen sind Mangelware. Wir leben jedoch in einer polaren Welt und es gibt hier immer ein ICH  und DU, ein dunkel und hell. Unterschiedliche Pole  sind ein Naturgesetz. Strom fließt von einem Pol zum andern, besteht kein Spannungsgefälle fließt auch kein Strom. In der Natur und Physik sind uns diese Gesetzmäßigkeiten klar, jedoch bei unserem menschlichen Miteinander versuchen wir oft, die Pole auszugleichen um jeden Preis, um Harmonie und  Gleichheit zu erzielen.  Das tun wir, weil wir uns wohler fühlen, wenn der andere gleich denkt, fühlt und handelt. Wir müssen uns selbst nicht hinterfragen, wenn wir alle der gleiche Meinung und Ansicht sind. Es fühlt sich entspannt an, in einem Umfeld zu sein, indem die Unterschiede minimal sind. Der Preis für diese vermeintliche Harmonie ist es, dass kein Strom fließen kann - Stillstand stellt sich ein, über kurz oder lang. Was passiert oft, wenn es dann doch offensichtliche Differenzen gibt im Denken, Fühlen und Handeln  im menschlichen Miteinander? Eine mögliche Herangehensweise ist das Unterdrücken von Andersartigkeit. Wir grenzen Andersdenkende aus, um wieder unter uns zu sein, unter Gleichgesinnten, um nicht länger irritiert zu werden, denn das ist anstrengend. Das passiert in Beziehungen, im gesellschaftlichen Miteinander und gerade auch in spirituellen Kreisen. Eine andere Herangehensweise ist das Auseinandersetzen mit der Andersartigkeit des anderen und zu erkennen, welches Potential darin liegen kann, zu schauen und zu reflektieren, warum die Andersartigkeit des anderen mich so irritiert. Wer die Spiegelgesetze kennt und ernst nimmt weiß, dass es nie darum gehen kann, den anderen zu adaptieren, sondern dass es meiner spirituellen Entwicklung dient, wenn ich frage, was mein Anteil ist an dem, was ich beim anderen ablehe und irritierend empfinde. Die Spiegelgesetze gelten immer in beide Richtungen  und für beide Konfliktparteien, das wird  oft vergessen, um selbst nicht auf sich schauen zu müssen.. Es ist immer leichter die Schatten des anderen zu sehen aber es braucht Mut und innere Größe bei Konflikten den eigenen Schatten zu sehen zu wollen. Und gerade  darum geht es doch auf dem spirituellen Weg. Es geht nicht um Harmonie, sondern es geht darum, den inneren Schatten zu sehen und zu heilen. Deshalb freue dich über jeden Konflikt, denn er ermöglicht dir, wenn du ehrlich zu dir selbst bist, deine eigenen Themen zu finden und zu heilen. Ehrlich zu sich selbst  zu sein ist nicht bequem, oft auch anstrengend, aber es ist der Weg der zur Seelenentwicklung beiträgt. Was willst du - Harmonie um jeden Preis oder dich selbst erkennen?

Wenn nun Harmonie nicht das höchste Gut ist, sondern Ehrlichkeit und Authentizität, dann können wir aufhören Rollen zu spielen, den Erwartungen anderer entsprechen zu wollen und uns dabei zu verbiegen.Wir brauchen keine Angst vor Konflikten oder Andersartigkeit zu haben, denn gerade darin liegt das Potential - das Aktionspotential -  bei dem der Strom beginnt zu fließen . Durch Reflexion  und die Ehrlichkeit mit sich selbst und mit anderen kann Neues  entstehen. Leben wir authentisch von innen nach aussen, dann sind wir im Flow und folgen unserer wahren Berufung - der Selbstermächtgung.

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